KDAI · Konzeptübersicht · Stand 29. August 2026 · für Eva Brucherseifer

Ein Desktop, der aus einem Kernel kompiliert wird

KDAI dreht die Reihenfolge um: Nicht Rechner installieren und dann mühsam personalisieren, sondern eine kleine, verschlüsselte, portable Beschreibung der Person — der Kernel — wird auf jeder Maschine zu einem Desktop kompiliert. KDE Plasma ist dabei die Shell erster Klasse, Nextcloud die Speicherschicht, git das Gedächtnis.

compile(me.md, Umgebung) → Desktop

1 · Die Kernidee

me.md — der Kernel Markdown, stabile IDs, Provenienz je Eintrag, verschlüsselt identitywer ich bin factsmeine Welt (Geräte, Netz, Rolle) preferenceswie ich arbeiten will · weich ruleswas nie passieren darf · hart episodicwas gerade los ist · evtl. veraltet speichert Bedeutung, nie Konfiguration Umgebung Gerät · Netz · Ort · Zeit wird beim Start erkannt compile Reconciler Desktop (KDE Plasma) Activities als kompilierte Modi Panels, Widgets, Standard-Apps Dateien lazy aus der Cloud Ist-Zustand wird gelesen, nur die Differenz zum Soll wird angewandt episodisch zurück: was neu ist, mit Herkunft und Datum
Der Kernel enthält Aussagen über die Person, nie über die Shell: „vormittags fokussierte Arbeit" statt „Panel unten, Widget X". Ein Plasma-Backend übersetzt das in eine Activity ohne Benachrichtigungen; ein anderes Backend könnte dasselbe in einen Fokus-Modus übersetzen. Diese Trennung ist es, die den Kernel plattformunabhängig macht.

2 · Die Schichten — und was davon schon läuft

validiert (August 2026, lauffähig) Design, noch nicht gebaut
Shell — KDE Plasma 6 Activities, Panels, Widgets per DBus-Scripting gesteuert · Layout-Dump als Ist-Zustand plattform-spezifisch Modul-Laufzeit — MCP Fähigkeiten als MCP-Server, Manifest + Sandbox als Vertrauensgrenze; Kernel-Sektionen als me://-Ressourcen KI-Orchestrierung — Router und Agenten-Kaskade Privacy-Gate (Regeln sind bindend) · Cloud → alternative Cloud → lokales Modell → deterministischer Boden Speicher-Tiering — git und Nextcloud git: Kernel, klein, versioniert (= Audit-Log) · Nextcloud: große Dateien, Auslagern/Zurückholen protokolliert und umkehrbar Kernel + Identität me.md verschlüsselt an alle eigenen Maschinen (age) · Passphrase-Zeremonie für neue Geräte · Multi-Device live portabel läuft auf jedem Linux; Mac/Win als VM-Wirt
KDAIs eigene Erfindung ist klein: Kernel-Format, Identität, der Compile-Schritt, die Plasma-Anbindung. Die Mitte ist Integration bestehender Bausteine (MCP, Nextcloud, git), nicht Neubau. In der KI-Schicht ist der deterministische Boden bereits bewiesen: Sync, Entschlüsselung, Reconciler und Speicher laufen ohne jede KI — fällt jedes Modell aus, wird das System dümmer, nicht funktionsunfähig.

3 · Auf mein System kommen — überall

Die Kernszene: Ein generisches Seed-Image, das jeder holen kann, wird durch eine Passphrase zu Jans System. Bewiesen am 16. August 2026 in einer frischen VM: Erstboot, Zeremonie, entschlüsselter Kernel — beim nächsten Login „Willkommen, Jan" mit dem Datum des Kernel-Stands; seit dem 29. August wird zusätzlich der Desktop bei jedem Login aus der Spezifikation im Repo hergestellt.

Kernel-Repo (git, privat) Kernel verschlüsselt · Register autorisierter Maschinen · Master-Identität (passphrase-geschützt) Seed-Image Linux + Plasma + KDAI-Laufzeit null persönliche Daten liegt auf Nextcloud, für jeden holbar booten Erstboot-Zeremonie 1 · Maschine erzeugt ihre eigenen Schlüssel — lokal, aus dem Nichts 2 · Passphrase entsperrt die Master-Identität nur im Arbeitsspeicher 3 · Maschine trägt sich selbst ins Register ein → ab jetzt vollwertig der Wächter ist austauschbar: heute Passphrase, später FIDO-Key oder Biometrie klonen Person: Passphrase im Kopf — das einzige, was reist, ohne Datei zu sein nativ · Linux + Plasma voller kompilierter Desktop virtualisiert · macOS, Windows das Seed als VM — legitime Form konversational · iOS, Android kein Desktop: der Assistent kennt den Kernel gleicher Kernel — Compile-Tiefe je nach Plattform
Es gibt keinen zentralen Identitätsanbieter. Identität ist Besitz (Repo-Zugang) plus Wissen (Passphrase) plus ein Register im eigenen Repo — wörtlich souverän. Ein verlorenes Gerät wird durch Streichen einer Zeile und Neuverschlüsselung widerrufen.

4 · Der Agent ist eine Rolle, kein Modell

1 · Frontier-Cloud bestes Reasoning nur mit Zustimmung, generische Identität 2 · andere Cloud Kernel ist vendor-neutral kein Lock-in 3 · lokales Modell Ollama-Klasse, offline Zielbild: Default für Kernel-Arbeit 4 · kein Agent Skripte: Sync, Reconciler, Speicher System bleibt betriebsfähig — garantiert → nächste Stufe, wenn die vorige nicht erreichbar ist — oder es laut Kernel-Regel nicht sein darf · nach rechts: weniger fähig, mehr privat
Der Router ist Privacy-Gate und Dispatcher zugleich: pro Aufgabe die höchste Stufe, die Regeln erlauben und Verfügbarkeit hergibt. Die Regeln des Kernels (r-001: nichts ohne Zustimmung in die Cloud) binden jeden Agenten gleich.

5 · Was das für KDE bedeutet

Was Plasma 6 heute schon kann — validiert

  • evaluateScript über DBus funktioniert von außerhalb der Sitzung, lesend und schreibend (Wallpaper, Widgets, Panels) — auch unter Wayland
  • dumpCurrentLayoutJS() liefert den kompletten Desktop-Zustand als ausführbares Skript — ein eingebauter Serialisierungs-Roundtrip
  • Activities sind vollständig skriptbar (anlegen, benennen, wechseln, je eigene Desktop-Konfiguration) — der „kompilierte Modus" existiert bereits als Container
  • Befund: loadSerializedLayout ist additiv, nicht idempotent — daher lebt der Abgleich in KDAI (Diff-and-Apply), nicht im Layout-Load

Was KDAI sich von Plasma wünschen würde

  • eine deklarative Reconcile-API: „hier ist der Soll-Zustand, gleiche an" — statt imperativer Skripte
  • eine kernel-bewusste Widget-Basisklasse, die me://-Ressourcen unter Regelkontrolle liest
  • ein Activity-Metadaten-Schema (Zweck, Kernel-Ausschnitt, Module, Geräte), damit Activities portabel werden
  • Capabilities je Widget: ein Widget darf Präferenzen lesen, aber nicht Identität — und nicht ohne Freigabe ins Netz

Die Wünsche sind bewusst klein gehalten: Alles Wesentliche wurde mit dem heutigen Plasma bewiesen. Die Punkte rechts würden KDAI von einem Aufsatz zu einem Bürger der Plattform machen — und sie sind genau die Fragen, die sich jeder stellt, der Plasma als Zielshell für automatisierte, personalisierte Arbeitsplätze denkt.

6 · Stand der Dinge — ehrlich

Bewiesen, lauffähig

  • Seed → Zeremonie → verschlüsselter Kernel → begrüßter, reconcilter Desktop (16. und 29.8.2026)
  • Multi-Device: zwei Maschinen + Master-Identität im Register; Änderungen propagieren über git
  • Verschlüsselter Kernel-Sync bei Login/Logout/Timer, git-Historie als Audit-Log
  • Reconciler (idempotent) und Speicher-Tier gegen Nextcloud (auslagern, zurückholen, pinnen, protokolliert)
  • Deklarativer Desktop: Spezifikation im Repo, jede Maschine kompiliert sich beim Login selbst

Design, noch offen

  • Modul-Laufzeit über MCP mit Manifest und Sandbox
  • Lokales Modell als Default-Agent; automatische episodische Einträge am Sitzungsende
  • Schlüssel-Gating über Keychain/Biometrie statt Datei; Festplattenverschlüsselung im Seed
  • Ableitung der Desktop-Spezifikation direkt aus dem Kernel (heute noch handgeschrieben)
  • x86_64-Seed und Windows-Formate über eine Build-Pipeline; iOS-Client für die konversationale Stufe
KDAI ist ein Projekt von Jan Mühlig. Die Architektur ist dokumentiert in KDAI-architecture.md (Schichten, Entscheidungen, offene Fragen), das Seed-Handbuch in KDAI-seed.md; der Kernel-Prototyp me.example.md zeigt das Format. Kernel und Skripte liegen in einem privaten GitLab-Repo, die Seed-Images auf Nextcloud.